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 Auszug aus den Mémoires der M.S.Black

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SarahBlack
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BeitragThema: Auszug aus den Mémoires der M.S.Black   Sa Mai 08, 2010 5:03 pm

Montag, 12 April '10

Wie ich mit gelangweilter Miene auf dem Gebrathron saß und mein Schwert in der Hand nach links und rechts wendete, es singend durch die Luft schwang und wieder in die Schwertscheide neben meinem Sitz schob - ging mir ein Gedanke nicht aus dem Kopf. War ich verwundert oder verbissen der Tatsache gegenüber, dass der Kampf so ausfiel? Zweifelslos: Nein. Womöglich war dies der Schwung den ich brauchte, um wieder zu spüren, dass eine Niederlage zu einer Siegerserie einfach dazu gehörte.

"Die Marchioness! Ergreift sie!", rief ein Umriss aus der Dunkelheit des Saals. Ich blickte auf und verschwand im Schatten.

Kurzer Rückblick

Unsere Tore hielten sich erfolgreich. Die Wärter, welche an unserer Seite für das Schloss kämpften und das verteidigten, worin wir sie wohnen und dienen ließen, halfen uns verbissen so gut sie konnten. Abermals riss ich mich von der Menge los und drang in die Mitte meiner Gegner, um ihnen schmerzhafte Abreibungen aus dem Finstersten ihrer Vorstellungskraft zu geben.

Doch der Tag neigte sich einem bitteren Ende zu. Die Erzengel drangen an die Tormauern, postierten dort ihre riesenhaften Aronwächter und ließen die Torflügel mithilfe derer festhalten. Wir drängten zurück und sahen uns anhand dreier Fronten, dazu gehörten die Flügel und das Haupttor, vollständig in der Klemme. Die betagten Wärter, welche mit den neuartigen Magien unserer Gegner nicht rechneten, wurden von eben diesen ins Verderben gerissen.

Amphys, einer der Wärter - ein älterer Feline, sank zu Boden und blickte zu mir, die wie meine Mitstreiter zum offenen Portal laufen wollte. Ich warf einen versichernden Blick zurück, dass diese Renommisten-Erzengel uns noch hinter den Mauern wähnten, und kniete mich zu ihm hinab.

Er schenkte mir nur wenige Worte, aber hatte den Wunsch, dass wir wiederkehren und den Gegnern das Schloss wieder abnehmen würden. Ich bejahte seine Bitte und sah wie er etwas hervorzog, was er um eine Kette an seinem Hals trug. Ich nahm es hastig entgegen und sah zu, mich von dem Sterbenden davon zu bewegen.

~~~~~~~~~

Als letzter Mensch, der sich erdreistete, sich im besetzten Schloss auf den Thron zu setzen, wollte ich das Rätsel um diesen Gegenstand im Laufe der Zeit gelöst bekommen. Denn ich wusste nicht was es war und besah es mir erst, nachdem wir flüchten konnten.



Eine Art Siegel, welches ich in der Hand wendete und genau inspizierte. Alte Schriftzeichen und so etwas wie der Teil einer Kurzgeschichte über Helden und die Mächte alter Waffen. Mit der Zeit habe ich daran gezweifelt etwas zu entdecken, was es noch zu erforschen wert gewesen wäre. Ein neuer Ansporn war gegeben, und den musste ich ergreifen!
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BeitragThema: Re: Auszug aus den Mémoires der M.S.Black   Mo Jul 19, 2010 8:10 am

Mittwoch, 28. April '10

Nach einer erfolgreichen Schlacht gegen Valorians Stolz, erkämpften wir uns Schloss Adir. Ich habe bereits einige Tage lang gesucht und dachte bis heute nicht daran, dass ich das Ziel meiner Suche in den Kriegsgebieten finden würde. Scheinbar waren Adir, Hesed, Tyconteroga und Gebra ältere Schlachtfelder, als man es nach den letzten Kriegen zwischen Gor, Derion und Valorian erwartet hätte.

Ich erkundigte mich unter den Adir-Wächtern nach den verbleibenden Siegeln, die ich noch suchen musste. Tatsächlich meldete sich schon bald einer von ihnen zögerlich und gab mir ein weiteres von ihnen, nachdem ich ihm mein Gebrasiegel zeigte, welches ich bereits besaß.



Die Geschichte um die alte Zeit ist noch lückenhaft und ich erkenne keine weiteren Zusammenhänge. Vielleicht ergäbe sich bald die Möglichkeit, die weiteren beiden Siegel zu erhalten. Bis dahin hatte ich nur den Mittelteil der ganzen Geschichte. Und damit konnte ich noch nichts anfangen.
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BeitragThema: Re: Auszug aus den Mémoires der M.S.Black   Mo Jul 19, 2010 8:21 am

Samstag, 8 Mai '10
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Während ich meine Klauen in einem gemütlichen Kaminsaal des Schlosses reinigte, las ich die Geschichte meiner nunmehr 4 erfolgreich gefundenen Siegel, welche zusammengesetzt auf dem Boden vor mir lagen. Sie erzählten von einem alten Volk, welches von 7 Helden verteidigt wurde. Jene Helden besaßen heilige Waffen, die ihnen von den Göttern Iberias vergeben wurden, damit sie mächtigen Dämonen und Feinden, die ebenfalls Waffen von bösen Göttern bekommen haben, die Stirn bieten konnten.

Nach den Göttlichen Kriegen, die den Reichen des Himmels und der Unterwelt schwer schadeten lag das Schicksal der Sterblichen nun in den Händen jener Helden. Sie vernichteten aber Zugunsten des Friedens ihre Waffen und verteilten die Macht jener in der Natur, in Form von magischen Blättern, und der Magie, in Form von Runen und magischen Mineralien. Mit der Macht der Alchemie sollte es möglich sein die magischen Blätter und heiligen Runen wieder zusammenzufügen. Denn da nun der Krieg zwischen Valorian und Derion erneut entflammt ist, konnte ich mir sicher sein, dass eine wahrlich heilige Waffe für mich einen großen Vorteil bringen könnte.

Einer der 7 Helden -Vitesse Deli Blackness- war der einzige Held, welcher auch Alleingänge tätigte und mich am meisten interessierte. Denn er kämpfte mit einem Klingenmantel und zwei mächtigen Seelengriffen, die den Seelen ihrer Opfer der Sage nach das Recht entrissen, in "höheren Reichen" um Vergebung zu bitten. Darum nannte man die Klauen auch "Klingen des Urteils". Die Ähnlichkeit zu meinen beiden ehemals selbst geschmiedeten und nun weggeschlossenen Schwertern war verblüffend, doch diese würde ich niemals mehr berühren wollen, abgesehen davon das sie von finsterer Natur und wenig heilig waren.

So zieh ich -Dank der um Wissen erweiternden Geschichte, wieder durch die Welt und sammel die Insignien von Natur und Magie, um hoffentlich bald das Erbe Vitesse' anzutreten.
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BeitragThema: Re: Auszug aus den Mémoires der M.S.Black   Mo Jul 19, 2010 10:24 am

Montag, 31. Mai '10

Auf der Suche nach der Legende meiner 4 Siegel durchstöberte ich mehrere Wälzer und habe einige ältere Magier befragt, was es damit auf sich haben könnte. Leider half mir kaum etwas weiter und ich bemerkte das erste mal, dass es schwierig sein sollte einer Legende auf den Grund zu gehen. Vielleicht war es auch ein Fehler andere Magier zu Rate zu ziehen. Denn wer würde bei den Mächten der Götter nicht auch hellhörig werden?

Kurzum: Ich wurde in eine Falle gelockt. Mithilfe des 6. Sinns eines anderen Schattenläufers haben 4 Magier mich in Mosalien aufgespürt und einen Zirkel um mich gebildet. Mir wurden die beiden mittleren Stücke der Siegelgeschichte gestohlen und so besaß ich nur noch Beginn und Ende der Legende:



Dachten sie diese Teile würden ihnen reichen? Während sich die 4 alten Magier und der Schattenläufer aus dem Staub machten, nahm ich langsam die Hitze um mich wahr. Mit vereinten Kräften schienen sie mich in eine Vorzeit verbannt zu haben, von der ich erst nichts wusste...

~~~~~~~~~

Mosalien brannte.

Mit den beiden verbliebenen Siegeln in der Tasche und zwei Klauen am Gürtel versuchte ich mir meiner Umgebung gewahr zu werden. Es musste die Zeit der heiligen Kriege sein.

Aus der Ferne vernahm ich das dumpfe Grollen der Kämpfe auf Iberia. Niemand war zu sehen, aber ich spürte die Anwesenheit einer mächtigen Präsenz in meiner Nähe. In der Siegelgeschichte war leider nicht vermerkt, was zu der Zeit der heiligen Kriege mit Mosalien war, oder warum alles unentwegt brannte.

"Du passt nicht in diese Zeit...", sagte ein Mann hinter mir.

Sein Name war Resko, -wie ich später nachgelesen habe- der Beherrscher des Feuers und wurde sogar von einem der heiligen Krieger vernichtet. Einer der Terror-Herrscher, welcher von den dunklen Göttern ausgestattet wurde für Chaos zu sorgen.

Er hatte schwarze halblange Haare, rote Streifen auf den Wangen, trug lange vollkommen schwarze Kleidung und hatte in der Gesamterscheinung sogar etwas Attraktives an sich. Von der selbstsicheren gelben Augenfarbe abgesehen beeindruckten mich seine beiden Waffen. Sie stellten von der Art her Klauen dar, aber waren mit langen Spießen versehen und somit reine Stichwaffen.

Ich könnte diese Zeilen nicht schreiben, wenn ich ihn nicht in einem recht spannenden Duell besiegt hätte. Doch er wäre einfach nicht zu töten gewesen. Ob er wirklich einer der "Bösen" war? Denn er gab mir eine seiner rötlich glitzernden Waffen. Kurz darauf sorgte Aron, der Wächter der Zeit, sogar für eine nette Abwechslung, indem er mich wieder zurück in die Gegenwart brachte. Schließlich war ich nicht freiwillig an diesem Ort. Und von Resko hatte ich was ich brauchte. Ein bisschen mehr wissen, dass mir die Klaue helfen wird und wie ich das Endprodukt meiner Reise herstellen kann.

~~~~~~~~~

Reskos Klinge liegt nun gut verwahrt in einer Truhe verschlossen.

Das Ziel meiner wilden Jagd hat nun bereits mehrere Jäger angelockt und die beiden fehlenden Siegel waren noch immer verschwunden. Doch was man lernen muss, wenn man geradezu einen Mythos beginnt zu jagen, ist, dass gewöhnliche Geschichten nachweisbar sind und Legenden so wie Mythen durch die Spuren der Zeit verwischt werden können. Die Klauen die ich nun besaß waren Basis für das Material der heiligen Krallen, die ich noch immer suchte. In der Gegenwart hätte ich sie wohl nie gefunden. Somit konnte ich diesen alten Narren sogar dankbar sein und über meinen knappen Vorsprung lächeln.

Und wenn es Jahre dauert: Das Ziel dieser Arbeit sollte irgendwann in meinen Händen liegen.

~~~~~~~~~

in Besitz gebracht.

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BeitragThema: Re: Auszug aus den Mémoires der M.S.Black   Fr Jul 23, 2010 2:57 am


Mitte Juli '10

Es hat lang genug gedauert.

Doch nun hätte ich alles zusammen. Mit vereinten Kräften gelang es mir -oder besser uns- die richtigen Mengenmaße an ätherischem und magisch naturellem Material zu beschaffen. Und durch meinen Einflusswachstum im Orden der schwarzen Rose war es mir nun möglich ein Schiff klar zu machen und einige Gildenitglieder für meine Sache anzuheuern.

Wir haben die ganze Nacht mit dem Verpacken der Ladung, des Proviants und weiteren Sachen am Hafen in Mosalien verbracht. Vereinzelt tauchten überraschte Valorianer auf, die wir im Nu überwältigten und gefesselt im Hafendorf liegen ließen, damit sie bloß keine Hilfe riefen. Ich besah mir die Zutatenliste, die aus den letzten meiner beiden verbliebenen Siegel heraus zu lesen war. Ich hatte einen Kapitän, meinen treuen Freund und Ordensmagier Lunar Nachtmond, welcher Dank einiger Forschungen um das Ziel der Reise bescheid wusste, eine Iberia- und Ritualkundige Mystikerin namens Naria und eine Hand voll treue schwarze Rosen an meiner Seite.

Einige liebe Freunde, vorallem aus dem Orden, verabschiedeten sich von den einzelnen Mutigen, die sich mir anschlossen, sowie natürlich von mir selbst.

Die Morgenstunden schlugen an und der Himmel war noch von friedlicher Dunkelheit bedeckt. Einige Öllampen schwankten leise klingend an den Metallbefestigungen unseres Schiffes - der "Lizzy" - benannnt nach einem der Gründer des stolzen Ordens. Jeder von uns spürte, dass wir noch einige tiefe Atemzüge vom Festland aus nehmen sollten, bevor die Reise losging. Das schaukeln des Schiffes am Dock machte einen vertrauten Eindruck.

"Viel Glück, Honey", sagte Louie bedächtig und hauchte einen Kuss auf meine Stirn. "Und sobald ihr zurück gekehrt seid, müsst ihr uns alles berichten!", rief er etwas lauter zu der gewappneten Gruppe, die noch viel untereinander schwatzte, bevor der Abschied eingeläutet werden sollte.

"Nicht einmal die See wird uns in die Knie zwingen können!", rief einer der Schützen grinsend zurück. "Nanana, Kleiner! Lass Er das die See mal nicht wissen. Schlimm genug das mehrere Frauen an Bord sind...", raunte der Feline Kapitän in seiner roten Kapitänskluft von den Docks aus - um kurz darauf mit dem plötzlichen Verziehen des Gesichtes in meine Richtung anzudeuten, dass er bei diesem Kommentar kurzzeitig vergaß, wer diese Expedition anführte. Ich überhörte jedoch absichtlich seinen Kommentar, sah aber aus dem Augenwinkel, dass sich Mystikerin Naria geschickt unauffällig von der Nähe des Kapitäns zu der Gruppe von schwarzen Rosen bewegte.

"Wir segeln los!", rief ich, Louie ein letztes Lächeln schenkend.

Letzte Umarmungen und wenige Küsse fielen unter der Ansammlung. Es erinnerte mich nicht das erste mal daran, dass unter den Rüstungen der Männer und Frauen auch liebende Herzen klopften. Ohne weiter darüber nachzudenken begab ich mich direkt nach dem Kapitän und seinen sechs angeheuerten Matrosen über das ausgelegte Brett an Bord der Lizzy. Lange Abschiede waren leider nicht gerade meine Stärke, weil die meisten Abschiede, ob von Freund oder Feind, bei mir meist kurz und Schmerzlos ausfielen.

Ich dachte kaum mehr darüber nach, als ich die Fässer voller Zauberkraut, frischem Wasser und Proviant kontrollierte. Ebenso Kisten mit aufgehäuften blau glänzenden Steinchen und gut sortierten Runen. Grün leuchtende Kiesel schimmerten mir aus vier kleineren Krügen entgegen. Die matt schimmernden Blätter in wunderschönen blauen, roten und grünlichen Tönen hingen in eng maschigen und fest verknoteten Netzen von Haken am Hauptmast und ließen mich an harte Stunden der Suche erinnern. Viele Freunde schwärmten die letzten Tage auf um jedes einzelne der Blätter auf ihren Missionen in ihre Taschen zu stecken. Es durfte nichts fehlen und ich durfte nichts übersehen haben, bevor die letzten Fässer zugeklopft wurden.

Einige Rufe hallten vom Land aus zu uns und einige meiner Begleiter winkten und riefen bereits zum Abschied zurück. Ich kontrollierte lieber die Schnallen um die Kisten, da ich ohnehin noch nicht zum Ablegen befahl. Der Lagerraum war von all den Sachen schon vollgestopft, weshalb einige Dinge an Deck ihren Platz finden mussten und ich nur hoffen konnte, dass ich von allem die richtige Menge mithatte. Sonst wäre diese gesamte Reise vollkommen umsonst. Bei einem flüchtigen Blick durch das massive Holzgitter nahm ich das Leuchten einiger magischer Utensilien erneut wahr. Sie leuchteten anders, als gewöhnlicher Schmuck oder gewöhnliche Spiegel.

"Herrin?", sagte Kapitän Indrak hinter mir. Er trat neben mich und hielt mir ein edel verziertes Kästchen mit beiden beharrten Pranken hin. "Da, Herrin. Ein paar unfähige Taugenichtse aus der Crew hatten vor, das prächtige Stück Holzarbeit salopp in die Lagerkammer zu katapultieren... Habe den Strolch, der schon Schwung geholt hat direkt zur ersten Nachtwache inklusive gründlicher Reinigung des Decks abkommandiert!" Ich nahm ihm das Kästchen entgegen und strich über den samtigen Stoff der Oberfläche. "Gott sei Dank kann ich mich auf Euer geschultes Auge verlassen, Herr Kapitän.", sagte ich zufrieden lächelnd. "Und durch Eure strenge Disziplin an Bord werde ich mich wohl auch um einiges wohler fühlen." Ich sah zu ihm auf. "Unterweist nach der Abreise einige meiner Begleiter in der Segelkunst, damit dies nicht allein auf den Schultern eurer wenigen tüchtigen Matrosen lastet."

Er salutierte nach alter Manier und ich fand ein Stück weit Gefallen an seinem militärischem Gehorsam. Jedoch sollte ich ihm diese Floske in Zeitintensiven Momenten besser auszutreiben versuchen. Er empfahl sich aus meinem Blickfeld.

Der Kapitän gab auf Geheißen den Befehl zur Abfahrt und läutete die Schiffsglocke zum Start. Das schwere Knarzen und Keuchen des Schiffes, sowie das Wanken nahm uns mit auf die Reise in ein unbekanntes Land. Wir riefen und wunken den lieben Gesichtern am Hafen zu - eifrig winkenden Feen und den zuversichtlichem Lächeln einiger anderer unserer Bekannten. Sie waren der Grund, uns besonders in die Aufgabe zu stemmen für die ich mehr oder weniger verantwortlich war. Und besonders waren sie der Grund, für sie heil wieder daheim anzukommen.

Immer kleiner wurde das Grüppchen und immer leiser die Rufe jener. Zum Schluss sahen wir nur noch die wenigen Lichter der Laternen, in den Händen der 4 bis 5 Freunden von uns. Als auch unsere Rufe verstummten und einige noch nachdenklich am Heck standen fing das eigentliche Abenteuer nach den letzten Monaten wohl endlich an.

"Zieht euch Mäntel und Decken über. Wir segeln in die Kälte...", sagte ich ermunternd lächelnd.


Eisige Kälte, der Hauch von Stickigkeit und das Gefühl als wären die Glieder schwer wie Blei. Auf offenem Meer war man zuweilen grausamen Bedingungen ausgesetzt und wie man dem Kapitän trotz des dicken Fells ansah, war dieser ein Veteran der Natur.

Mit stoischer Ruhe, sein Pfeifchen rauchend bediente er mit einer Hand das Steuerrad auf der Heckseite des Schiffes und behielt den Blick eisern an den beiden Segelmasten vorbei Richtung Horizont gerichtet. An meiner Seite waren Veteranen mit denen ich die Gewalt des Hochlandes unterjocht habe. Doch gelang es keinem von uns trotz unserer Mäntel und Umhänge das Zittern ganz zu unterdrücken.

Wir hielten uns durch leichten Sport oder in Arbeiten am Schiff in Bewegung. Denn der Schlaf war in dieser Kälte unser Gegner. Jene, deren Herzen sich der Kälte ergeben, lockten nur den Tod mit seinem verlockenden Kuss herbei, der uns in die Trostlosigkeit führen sollte und das letzte bisschen Leben aus dem Körper saugen würde. In dem Moment der Pause in dem ich diese Zeilen schreibe, halte ich das Kästchen mit den dunklen Klauen aus der Vergangenheit fest unter meinem Cape an meinem Körper und achte auf jeden schwachen Ausstoß des Dunstes von meinen Lippen. Er durfte nicht aufhören.

An jedem von uns riss die Kälte fürchterlich. Ich machte mir Sorgen um die Haltbarkeit der magischen Zutaten und besonders unserem Proviant. Wie ein Fluch hing es über uns und selbst ich konnte mich in einer Nacht nichtmal mehr unter Deck schleppen und schlief am Hauptmast gelehnt einfach ein.

Die friedliche Ruhe der See und der tief stehende Nebel über der ruhigen Wasseroberfläche unterstrichen den wunderschönen Anblick des Sternenhimmels. An Land würde man dies niemals bestaunen können. Und während ich das leise Spannen und Entspannen der Taue an Schiff und Masten in den Ohren vernahm, sollte es seine Bedeutung haben, dass keiner von uns wach bleiben konnte. Denn dies war eine Falle - Ich spürte es, doch konnte nichts mehr tun, bevor mir die Augen vollends zufielen.


Ein leises Klingen drang an meine Ohren und ein lästiges Zerren an meinem Kästchen unterbrach meinen Schlaf. Meine Sinne waren noch nicht ganz hochgefahren als ich einen entschlossenen Ausruf hörte.

"Was fasst du sie an?! FEUER!!!", rief Lunar mit seltsam belustigten Unterton von der Tür aus, die zu den Schlafmatten der Crew führte. Verwirrt sah ich in meiner sitzenden Haltung auf. Den Dieb riss es von den Füßen und er stieß am Fuße der Treppe zum Steuerrad an die Reling. "Whaa!!", verließ den dürren Felinemagier der Ausruf. "Dachtest wohl ein laufender Meter kann dir nicht das Wasser reichen, Alterchen?", setzte Lunar streitlustig nach und fokusierte den vor kurzem vergrößerten Feuerball auf den ungebetenen Besucher.

Selbst von meiner leicht entfernten Position und von der Dunkelheit aus, konnte ich die rasend schnell größer werdenden Pupillen des sprachlosen Eindringlings beobachten, als die Flammenkugeln -das Deck auf ihrem Weg beleuchtend- auf ihn zuflog. Ihn an die Reling knallend, spürte ich die wohlige Wärme leicht in meine Richtung ziehen und sah die Ironie mit der der fremde Magier brannte und hin und her stolperte. Sein Schrei war grausam, doch die Situation schien mir noch so unwirklich, dass ich nichtmal die beiden grell glühenden Siegel aus seiner Kleidung fallend richtig wahrnehmen konnte. Sie kullerten etwas zur Seite, als der Kapitän auch schon mit einem gewaltigen Satz von seiner Erhöhung unten aufstampfte.

"Zündelt der Kerl mir am Schoner!!", schrie er und schwang seinen Mantel in einer drehenden Bewegung vom Körper. Nun nur noch mit einer Kapitänsweste bekleidet warf er dem brennenden Magier den Mantel über, wickelte ihn hastig ein und schubste ihn Richtung Reling, von der der Fremde kreischend hinunter ins kalte Meer plumpste.

"Wusste schon, warum ich keine Feuerzwerge mehr an Bord haben wollte als mir der Letzte das Hauptsegel ankokelte!", meinte der bullige Feline, als wäre der Schubser des Fremden ins Meer das Normalste der Welt gewesen.


Während ich Lunars schnippische Kommentar und den strengen Offizierschargong des Kapitäns im Hintergrund hörte, kroch ich viel eher zu den beiden Dingen, die dem Magier eben aus der Tasche gefallen waren.



Der Mittelteil der Legende! Ich hatte wieder alle 4 Siegel bei mir, weil die Diebesaktion der Magier, von vor einiger Zeit, bei meinen finsteren Klauen nicht glückte.

Das Finale ist nahe...
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BeitragThema: Re: Auszug aus den Mémoires der M.S.Black   Do Dez 30, 2010 4:40 pm



18.Juli '10

Ruhige Wellen streiften den Rumpf der Lizzy. Das Schlagen des Windes an den Flaggen und Rändern der Segel war eines der wenigen Geräusche, die wir neben dem relativ stillen Gewässer vernahmen. Von den Schneegestöbern lag schon seit ein paar Tagen etwas Schnee auf der Reling und auch der versuchte Diebstahl meiner Stich-Klauen unter der Hypnose des gesamten Schiffen, lag schon einige Tage zurück.

Nur die klirrende Kälte schickte sich an und hielt sich eisern auf dem gesamten Meer, härtete unsere Kleidung aus und glättete regelmäßig das Deck, so dass wir uns teilweise schon schlitternd fortbewegten.

Die Ruhe an Bord hatte den Grund, dass wir unser Ziel erreicht hatten. Das langsame Heranschippern an die beiden Titanenhohen Säulen, die den Eingang in den dunklen Spalt zweier eisigen Gletscher bildeten, ließen uns sprachlos die Schönheit vorzeitlicher Erschaffungen erblicken.

Ich stand neben dem Kapitän und sah mir die Symbolik auf den Säulen an, als eine junge Priesterin die Treppe hocheilte. "Sarah, sieh auf der Klippe!", sagte Kelindria. Seichte Frostwölkchen, entwichen unter der Kälte ihrem Mund. Kapitän Indrak und ich sahen schweigend an den Segeln vorbei und suchten jeden Flecken auf der Klippe ab. "Bedaure. Kann neben Eis, Schnee, Eis und Schnee nichts Tolles entdecken.", murrte er leise.
"Da oben stand jemand! Ich bin doch nicht blind!", rief Keli in schärferem Ton zu Indrak. "Statt in den Himmel zu sehen, sieht Sie besser mal zu, vo..."
"Genug, Kapitän...", warf ich ruhig ein. Der Kapitän richtete seinen Blick wieder nach vorn und glich das Steuerrad aus. "Finden wir erstmal die eisigen Docks des Tempels, von denen der Mystiker und Lunar sprachen. Sonst verplaudern wir vielleicht den Moment an einem gefährlichen Eisberg oder Ähnlichem auszuweichen." Ich öffnete den obersten Knopf meines langen Mantels, verschränkte die Arme und hoffte Kelindria hätte sich die Besucher betreffend geirrt, doch sagte ich nichts mehr.
"Eisberge...", murmelte der Kapitän grinsend. "Kenne keinen Schiffer, der sein Gefährt mit Eisbergen sympathisieren wöllte. Respektive dergleichen getan hat, wenn er genug Seefahrt-Gribs im Kopf hat." Keli und ich sahen uns verwirrt an.

~~~~~~~~~~~~~~~

Mit der Macht des Bösen

Wie ich meine Aufzeichnungen durchblätterte, fiel mir auf das ich gar nicht vermerkt habe, welches Ziel wir denn haben würden. Wir waren auf dem Weg zur Götterspitze, einem Kap. Ein Gebiet, welches von zwei riesigen Gletschern mitten im Meer beschrieben wird und die eisige "Schmiede der kalten Schatten" beherbert. Doch der Legende nach findet sie niemand, der nicht in der Lage ist den Sinn der Vorhersehung im Blut fließen zu spüren. Ritter, Paladine, Krieger, ... all' jene besitzen den Sinn der Vorhersehung, welcher ihnen durch die Götter des Lichts verliehen wurde. Im Kampf gegen die Dunkelheit und das Böse war dieser Sinn gut. Auf dem Schlachtfeld konnte man, hatte man den Sinn gemeistert, fast alles hervorsehen was in den nächsten Sekunden geschehen sollte.

Diesen Sinn besaß an Bord niemand, nicht einmal ich.

Die Schmiede der kalten Schatten konnte nur von den Anhängern der Dunkelheit gefunden werden. Die vielleicht Gutes tun aber Böses dafür einsetzten. Meine Vorfahren waren nur zum Teil Helden, standen vielleicht sogar auf der Seite des Lichts?, doch sie waren Kinder des Schattens. Mein 6.Sinn entfesselt Kräfte, er schärft den Verstand und Blick, konnte sogar Adrenalin in die Blutlaufbahn pumpen, wenn man ihn zur rechten Zeit aufkommen spürte. Nichts war mir verborgen, doch hatte dieser 6.Sinn einen finsteren Beigeschmack.

Jene die ihn besaßen, waren vom Schicksal getrübt. Einsame Löwen in der Savanne, vereinzelt Anführer in einem Krieg oder auch böse Schurken. Mein 6.Sinn warnt mich vor vielerlei. Doch was er nicht sieht ist, wenn Verbündete sterben, aber man selbst überlebt. Eine bittere Medizin voller Ironie und Depressionen. Und wenn man sie nicht schlucken kann, so erliegt man den seelischen Schmerzen der Erfahrung, niemanden zu nah und zu lange an sich heran lassen zu dürfen.

~~~~~~~~~~~~~~~

Die Schicksalsschleuse

Die Säulen samt Klippen führten uns ein in die Welt des Glitzers und der blauen Wunder. Die Wände im Gewässer der Gletscher waren wie Diamanten aufeinander gestanzt. Jede Form sah identisch aus und nichts wies auf, das die beiden Gletscher durch einen Riss geteilt worden wären. Doch durften die Echos und Erscheinungen hinter dem Eis nicht dafür sorgen, dass wir von der engen Schneise und der harten Brandung zu viel abbekommen.

Kapitän Indrak ließ die Segel reffen um besser durch die gefährlichen Gewässer navigieren zu können. Auf dem Schiff war alles in Hochbetrieb. Jeder schleppte Seile, befestigte Taue und Masten, sowie unsere Mitbringsel. "Drei Kreuze, wenn wir den Rückweg überleben.", brüllte der Kapitän. "Beweist, dass ihr dem Meer gewachsen seid, Männer!"
Nicht nur, dass Indrak die Frauen aus seinem Ausruf heraushielt, waren auch die anderen schwarzen Rosen recht blass was die Sache mit der Seefahrt anging. Denn wir waren allesamt Festlandkämpfer. Man roch fast die Gebete, dass die Crewmitglieder wüssten was sie da tun, jedoch stand niemand gedankenlos herum.

Der Segelmast schliff kurz eine Engstelle über unseren Köpfen und ließ kleine Eissplitter regnen: "Weitermachen, Landratten! Können den Winter genießen, wenn er uns nicht an die Gurgel will!" Er rückte seinen Hut zurecht, wobei seine Augen wieder in den Schatten dessen gerieten.
"Kapitän!", rief ein Matrose von der vorderen Reling. "Mast und Schotbruch! Da vorn kommen wir niemals durch!"

Mein Blick fiel auf den enger werdenden Gang, welcher aus dem Meer noch mit einem eisigen Spieß unterstützt wurde. "Schwarzmalen abgewöhnen und in Deckung gehen!" Indrak sah nach oben. "Netze und Masten verlassen! Kommt runter, Pack!" Sein Blick war finster nach vorn gerichtet und ich folge diesem ernst, aber gefasst - die Arme erneut verschränkt und das Schlimmste erwartend. "Werden Muttern Erde mal 'nen Zacken aus der Krone brechen und versuchen nicht draufzugehen.", murmelte er grimmig und griff das Steuerrad fester an. Auf dem Schiff ging alles in Deckung und hielt die Hände über dem Kopf.

Die ganze Zeit hatte ich schon das Gefühl das es so nicht enden sollte und ich keine Angst zu haben brauchte. Als ich den Blick des Kapitän sah und an ihm vorbei die Gletscherwand einfing, bot sich meinen Augen ein Wundernis: An der Diamant-ähnlichen Wand war eine Unebenheit, welche aussah wie ein Pfeil, der nach unten deutete. Ohne lang nachzudenken riss ich die Augen auf und warf mich gegen Indrak: "Fräulein Mar...!" Das Rad drehte sich mit und ließ eine Welle gegen die Front des Schiffes brechen und uns alle mit Regen eindecken. Einige Panikrufe ertönten.

Wir wendeten und das Schiff sank plötzlich unter einer versteckte Nische unter der Gletscherwand ab. Noch immer auf Wendekurs raste das Schiff einen dunklen Wassergang hinab. Indrak schlug das Rad vom Boden aus in die andere Richtung um wieder Kurs zu bekommen.

Daraufhin stellten er sich mühsam gegen den heftigen Druck, der durch die Raserei entgegenkam. Ich sah die anderen nicht, da ich selbst noch kniete. Ihm flog der Hut, welcher durch den Umstoß schon schief saß weg und sein mächtiger brauner Bart schickte sich an dem Wind zu folgen. Rote, blaue und weiße Lichter schienen langsam vom unteren Deck des Schiffes und auch ich raffte mich nun auf. Meine lange Kleidung zog mich und fledderte hinter mir umher.

Meterhohe Fontänen sprühten an den Seiten vorbei, neigten sich einige Male über das Schiff und gossen uns regelmäßig ein. Indrak hatte sprachlos mit der Navigation zu kämpfen, gleichte jede Bewegung zuviel vom Hinterteil des Schiffen aus und drehte das Rad wie wild hin und her um eine Balance zu finden.

Als ich über die Reling nach unten blickte, sah ich meine Freunde in weißlich durchsichtigen Blasen, leuchtenden Ruten-Enden und um sich schimmernden Kreisen stehend auf dem Boden. Kelindria - die einzige Heilerin, die ich dem restlichen Orden entbehren wollte - stand mit geschlossenen Augen am Mast und hielt jeden mit Opferschilden fest. SolidSnake, ein junger Krieger und ein weiterer Matrose hielten sie dabei an den Hauptmast gelehnt, damit sie den Halt nicht verlor.

Die Schreckensfahrt sollte jedoch ein jähes Ende nehmen. Wir spürten, wie das Schiff den Halt von der Wasserrutsche verlor und wir jede Sekunde intensiv wahrnahmen. Die Vorderseite des Schiffes hob sich unter lautem Knarren nach oben und wir merkten die Schwerelosigkeit welche uns gleichzeitig durch das Kippen nach hinten drängte.

Direkt im nächsten Moment endete der Sturz so plötzlich wie er begann. Lautes Poltern und einige Schmerz- sowie Panikrufe umgaben das Schiff. Wir standen still.

Indrak sah mich an und ich nickte ihm an einem Tau festhaltend zu, dass ich in Ordnung sei. Wortlos lief er die Treppe vom Achterdeck zu der Besatzung nach unten. Der willkommene Augenblick um durchzuatmen.

Wir befanden uns in einer Art eisigem Turm. Der Tunnel aus dem wir kamen lag hierbei etwas erhöht, weshalb es unmöglich sein sollte den Rückweg genauso anzuschlagen. Langsam waren die Stimmen der anderen wieder zu hören. Der Blick nach oben endete in völliger Dunkelheit, doch die Wände des runden, mit Wasser gefüllten Raumes unterschieden sich zum ersten mal und wiesen auf, dass wir richtig sein sollten.

Unterschiedlich breite Ringe umgaben den Raum. Darauf verschieden große Reihen an Runengewirr in womöglich alt Iberianischer Sprache, die ich nicht lesen konnte. Vielleicht auch Valorianisch? Doch sie verwendeten die selben Buchstaben wie wir, weshalb man dies wohl ausschließen konnte.

"Geht es Euch gut, Sarah?", riss mich Mystikerin Naria aus meinen Gedanken. "Bestens, danke... Welch' Gewirr scheint da von den Wänden auf uns herab?", wechselte ich sofort das Thema. Sie blickte nach oben und schien die Runen von rechts nach links mit den Augen abzusuchen. Ich hörte zum ersten mal den exotischen Akzent aus ihren Worten heraus und mochte die bemüht verständliche Sprache aus einem scheinbar fremden Landstrich. "Todesfalle und Zuflucht zugleich. Der Eingang einer Schleuse...", murmelte sie. "Inspiriert durch die Sage der 7 Helden und besonders zu Ehren des Schattenläufers Vitesse Deli Blackness, der hier die Erschaffungsstätte seiner heiligen Waffen erbauen ließ."
"Die Klauen...", flüsterte ich nachdenklich zum Boden. Indrak stieß wieder lautere Rufe aus. "... wie kommen wir durch die Schleuse?", beendete ich meine Gedanken.

"Die Geschichte der Helden ist der Schlüssel", las sie eine Zeile vor. Ich fragte mich was das zu bedeuten hatte. Sollte ich die Geschichte erneut lesen und nach Hinweisen suchen?

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Keine der Zutaten schien das Schiff verlassen zu haben. Zumindest war das Meiste noch gut befestigt an Bord und der leichte Strom, welcher aus dem Eingangstunnel floss, ließ weder Blätter auf der Wasser-Oberfläche treiben, noch hätten wir Gelegenheit gehabt im eisigen Wasser nach eventuell fehlenden Steinen zu suchen.

Auf dem Hauptdeck liefen laute Diskussionen. "Wir sind auf alle Fälle auf dem richtigen Weg", rief ich von dem erhöhten Achterdeck nach unten. Die Gesichter drehten sich zu mir, "Die Frage ist also nicht ob wir diesem Raum entkommen, sondern nur wann." Den wenigen nickenden Köpfen zu beurteilen, schien es den Großteil zu beruhigen.

Während das Schiff stillstand, breiteten Kapitän Indrak, Mytikerin Naria, Ich und drei weitere Ordensmitglieder alle Aufzeichnungen, die 4 Siegel, eine Seekarte und das Buch mit der vollständigen Legende zu Iberias Heldentum auf einem massiven Holztisch in Indraks Kapitänskajüte aus. Ich schob eine Öllampe neben das Tyconterogasiegel und begutachtete die Symbolik, die wenigen Schriftzeichen und den Teil der Zutatenliste auf der Rückseite.

"Die Rückreise", begann der Kapitän, "ist versperrt". Er kratzte sich am Kopf. "Sehe da keine Möglichkeit einen Kran oder Ähnliches zu errichten." Die Stimmung zu dieser Tatsache war dementsprechend drückend und jeder konnte dem anderen förmlich die Gedanken zu diesem Missstand aus den Augen lesen, die jeder von uns auf den Tisch ausgerichtet hatte.

"Was soll in diesem Wälzer noch für ein Hinweis stecken?", warf Solid ein. "Vielleicht machen wirs uns nur schwerer als es wirklich ist." Naria sah erst auf: "Unter den Augen der Götter kann jede falsche Handlung zu einem tödlichen Akt werden. Provozieren wir die Lage nicht, indem wir selbst in ihrer Falle unbedacht weiter vorgehen."
"Pflichte Kerl mit prächtiger Rüstung da eher bei", ergriff Indrak das Wort. "Ewiges Nachgedenke und Schwarzgemale friert uns ja den Ar..." Naria räusperte laut und blickte die beiden finster an. "... auf Grundeis.", beendete er den Satz.
"Mir blutet das Herz", murmelte Lunar auf zwei Kisten sitzend. "Aber ich befürchte die Meinung mit den beiden Herrschaften zu teilen." Er grinste scheu. "Die meisten Rätsel, ob magischer, mechanischer oder göttlicher Abstammung, entstammen aus dem Wirren Kopf eines recht blöden Kleingeistes. Meist liegt die Antwort gar nicht hinter so vielen Wänden." Ich wendete den Blick von dem Tycosiegel ab und blickte entschlossen in die Runde. "Ich habe den Inhalt der Geschichte, obgleich der kurzen Siegelfassung, als auch im Buch zu Iberias Legenden, in mich aufgesogen und bin der Meinung gäbe es einen Hinweis, würde er mir ins Gedächtnis kommen."
Die Fünf blickten mich an, als Kelindria mit leicht geschwächtem Blick eine Antwort dazu auffing: "Dann sollten wir einmal profaner denken."

"Märchen steht auf den 4 Steinen?", hob Indrak die Brauen und sah die Siegel an. "Sollten sie vielleicht einfach ins Wasser schmeißen. Götter werden schon drauf einsteigen..." Wir tauschten zweifelnde Blicke aus, ohne dass es der Kapitän merkte. "Dieser Ansatz ist vielleicht gar nicht ganz so dumm, bedenkt man von wem der Einfall kam", sprach Naria frei in den Raum. Bevor Indrak empört antworten konnte, setzte sie fort: "Die Siegel selbst sind für diese Reise wichtig. Eventuell lassen sie sich auch weiterhin verwenden, als nur zur Infoquelle." Indrak fing sich und grinste breit: "Hehehehe, biete doch jeder Rätselei den nötigen Dickschädel zum Durchbruch!"

"Also das ist doch...!", begann Naria. "Lasst ihm den Spaß, Liebes", murmelte Kelindria grinsend.

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Konserviert in Eis

Wir standen im Kreis auf dem Schiff und beschauten eingehend die Wände. Selbst wenn Naria die Einzige von uns war, die die Sprache entziffern konnte, so brauchte es nur einen geübten Blick um eine Siegelverwendung zu finden. Dies sollte nicht unsere Todesfalle werden.

"Fräulein Marchioness", murmelte Indrak. Wir sahen zu ihm und folgten dem ausgestreckten Finger, welcher weit über uns an eine Seite der Wand wies. "Unnatürliche Nische im Blick."

Einige Zeit später legte das Boot mit mir, inklusive der Siegel und einem schlanken Felinematrosen an der nur leicht brandenden Wand an. Ich bat ihn zu warten und band mir meinen Gildenumhang an einen Lederhalfter, der um meine Hüfte und schräg über den Torso geschlungen war. Anschließend warf ich ihn über die linke Schulter, damit er nur einseitig an mir herab hing, und konzentrierte mich.

Mein Blick auf das schöne Schiff auf der Mitte des runden Gewässers ließ mich in meinen Gedanken versinken und langsam in die Schwerelosigkeit führen. Die Fähigkeit zur Schwebe begann sich auszubreiten. Das Ende meines Umhangs wand sich sehr langsam nach links und rechts. Eilig, wie der Tod sprang ich an die Wand, trieb mich mit Händen und Füßen an ihr entlang und glitt geschwind nach oben. Nach wenigen Griffen und Sprüngen hatte ich das Loch in der Wand erreicht und kletterte das letzte Stück aus eigener Kraft in den versteckten Raum.

An der Wand erwartete mich ein bekanntes Symbol in Form einer Einbuchtung.

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Blühendes Chesed - Totes Hesed
„Fruchtbarkeit in Heseds Wagschalen Gewicht,
Mit Wasser und Pflanzen und Tieren weit.
Trieb Krieg und Gier des Westens hartes Gericht,
Sieg der Schlacht und Tod des Lebens in die Zeit.“


Wahrer der Schatten: Bring Cheseds
Erbe her und berichte über das Heute!

Es tat mir Leid um den Zerfall eines einst schönen Landes. Aber die Zeit sollte die Wunden nur schließen, jedoch nicht heilen und so rief ich das Chesed der Neuzeit -Hesed- in mein Gedächtnis und griff in meine Gürteltasche. Feuchtes Klima, dichtes Blätterwerk und verdorrte Pflanzen waren das einzige Erbe, dass dem einst reichem Land sein Leben für das seiner Bewohner gab. Eine traurige und ärgerliche Ironie zugleich.

Das Hesedsiegel und auch die anderen Siegel strahlten in ihren eigenen Farben, als ich meinen Blick in den Beutel wand. Dieser Ort schien etwas Stärkendes zu haben.

Entschlossen und fest schlug ich das Siegel mit dem Bildnis zu mir in die Wand und wartete ob oder was passierte. Gewarnt vernahm ich mehrere Knalle aus der Schleuse und trat an den Rand der Nische.
Längst vereiste Rohrsysteme schienen sich in den Raum frei zu sprengen und tränkten ihn mit Wasserschwällen ein. Doch nicht nur das - Denn neben den Rufen Indraks markanter Stimme schien selbst der gesamte Gletscher abzusinken, denn die "Erde" bebte unter mir. Ich konnte das Schiff tief unter mir im Wasser pendeln sehen.

Mit einem Blick weiter runter erkannte ich den rudernden Matrosen rasch zum Schiff paddeln. "So viel zum Warten...", entlockte sich ein eisiges Wölkchen leise aus meinem Mund.

Doch unter dem Sprudeln des Raumes und dem Eindringen von immer mehr Wasser verstand ich seine Lage, nicht gegen die Wand geschmettert werden zu wollen. Das Schiff hob sich immer schneller auf der sprudelnden Welle des Wassers und ich konzentrierte mich erneut, obwohl mein Puls heftig gegen Hals und Brust schlug. Die weißen Wellen an den Wänden kamen immer höher und würden bald bei mir angelangt sein.

Schneller atmend trat ich zwei Schritte zurück, zog den Beutel mit den restlichen 3 Siegeln zu und nahm Anlauf, um mich von fallenden Eisstückchen geleitet mit den Stiefeln vom Rand abzustoßen und meinen etwas entfernten Freunden gleitend entgegen zu springen.

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Das Schatten-Elysion

Uns beunruhigte das Gefühl mit dem Wasserpegel zu steigen, während die Welt um uns Zeitgleich unterging. Jedoch endete der Aufstieg auch bald, so dass wir in einem neuen Raum waren, an dem die Decke bedeckt von kalten Mustern war. Schlangen in Angriffshaltung dienten an den Wänden als Gargoyle und blickten auf die Mitte des Sees - auf uns. An der schimmernden Decke waren viele weitere Runen, die in Spiralform in die Mitte verliefen und immer kleiner wurden. Schlangen wanden sich auch um die Runen.

Anders, als in normalen Eishöhlen, schimmerte hier aus unscheinbaren Quellen Licht und reflektierte einzelne Flecken unseres neuen Bereichs. Aus der Entfernung sahen wir das erste unserer Ziele. Stege, an denen das Eis entlangverlief und Eiszapfen herabhingen. Aus einzelnen Flüsterern vernahm ich, wo wir nun waren. "Eisige Tempeldocks erreicht", sagte Indrak laut. Die schnelle Atmung vieler war anhand der Eiswölkchen zu sehen. Viele fingen an zu lachen und beglückwünschten sich. "Gute Sache, Herrschaften", fügte der Feline hinzu. Auch mir entlockte es ein leises Lächeln, dass wir auf dem richtigen Weg waren.


Einige Zeit später stand ich mit meinen verfluchten Schwertern und der unheiligen Klaue am Gürtel, unter meinem Umhang, auf dem gefrorenen Boden des kleinen Hafens. Alles wirkte so lebendig!

Die Erschaffer dieses Ortes mussten diesen Gletscher zu ihrem Leben gemacht haben. Auch verrieten mir die großen Zahnräder an der anderen Seite des Sees, dass dies alles ein mechanisches Konstrukt wahrer Genies sein musste.

Während die anderen am Schiff standen und die ersten Gurte von den Kisten lösten, besah ich mir die Tunnel, welche in den Tempel führen mussten. Einige führten nach oben, andere wanden sich nach unten.

Flüstern umgab mich und versetzte mir einen Gänsehautschauer. Mein Blick strich an der Wand entlang und ein weiteres Mal sollte mein schattenhafter Sinn mir etwas deuten, was die anderen wohl nicht sahen. Ein breiter Tunnel, der im Wasser lag und von roten Runen umrandet wurde. Ich konnte keine einzige davon deuten, doch hatte plötzlich die Gewissheit, dass das Material für die heiligen Klauen dort hindurch musste.

Aber wozu dann die Tempeltunnel?

Erneut erschienen die roten Runen um einen ganz bestimmten, leicht nach rechts gewundenen Tunneleingang. Ich bewegte mich langsam auf ihn zu und sah mir jede Rune einzeln an. Ein eisiger Gargoyle, in form eines Raben, starrte mich mit ausgebreiteten Flügeln vom obersten Punkt des Tunnels an. Ich zweifelte nicht mehr an einem ganz gewissen Fakt - Dieser Weg war allein für mich bestimmt.

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Frostiges Sakraletikum


Clint Mansell - Requiem for a Dream Remix

Es brauchte mich viel Überzeugungsarbeit meine Begleiter, davon besonders Kapitän Indrak, durch den -für sie- nicht vorhandenen Tunnel zu schicken. Und noch schwieriger war es jede Begleitung abzulehnen, die mit mir durch den Tempeltunnel gehen sollte. Es war meine eigene Aufgabe, und als ich das Schiff durch die Wand gleiten sah, bestätigte sich meine Annahme.

Schon nach wenigen Schritten umgab mich wieder das Flüstern, welches neben dem Wind, der durch die Spalten und Löcher brauste, immer lauter wurde. Am Ende des leicht gewundenen Ganges schien ein bläulicher Lichtstrahl durch eine breite Nische, durch die ich mich langsam hindurch begab.

Ich stand an der Ecke zum Inneren des Gebäudes und musste ein weiteres Mal eingestehen, nur ein Sandkorn im Gebilde einer wundervollen eisigen Wüste zu sein. Vor mir lag das Kirchenschiff einer Kathedrale, durch das Lichtstrahlen in meine Richtung schienen.



Das erste und vielleicht einzige Mal, dass mich etwas so Unheilvolles und dennoch so Schönes in seinen Bann zog. Die Winde zogen wie Gesänge durch die Spalten und schienen mich wie von Geisterhand anzutreiben. Ich schritt durch den Saal, obwohl ich mich nicht bereit fühlte. Selbst eine Engelsstatue, die ein Siegelsymbol unter ihren verschränkten Händen aufwies, brachte mich nicht zum stoppen. Ein Totenkopf am Ende des Raumes sah mich aus seinen düsteren Augen an und ich blickte zurück - so sehr das Grauen aus seinem Blick sprach, so sehr faszinierte es meine Angst, sich ihm zu nähern.

Treppen waren zu beiden Seiten neben dem Eisschädel. Sehr langsam beschritt ich eine Seite und hielt meine Hand auf dem eiskalten Geländer. Das große Fensterglas ließ mich abermals winzig wirken, doch ich näherte mich ihm und sah hindurch - Das Gesehene tausender Entdecker oder Eroberer wäre nicht vergleichbar mit der Stadt gewesen, die sich vor mir erstreckte!

Brücken in luftigen Höhen, die gigantisch hohe Türme verbanden und durchliefen. Tunnel an den Wänden, die sich durch die Blockbauten wanden, welche ebenfalls - scheinbar völlig frei - in der Luft an die Gletscherwand gebaut wurden. Und nicht zu letzt eine, in Schlangenform gedreht und gleichsam geschuppte Eissäule mitten in der großen Stadt, die bis an die Decke ragte, welche wiederrum mit einem Spinnennetzähnlichen Dachwerk verbunden war. Durch die freien Stellen war scheinbar ebenfalls durchsichtiges Material, wie dieses farblose Kirchenfenster angebracht worden.

"Das ist der heilige Schmiedeofen, den du da bestaunst.", sagte eine rauhe männliche Stimme aus der Mitte des Raumes hinter mir.

Vor Schreck wand ich mich sofort um und blickte auf den schlanken Mann mit blauem Taint und einem freien Oberkörper. "Was...?" Zu meiner Verwunderung hielt er das Tyconterogasiegel nach oben. Es leuchtete stark. Der Beutel mit meinen Siegeln fühlte sich leichter an. Erst jetzt erblickte ich seinen abnormal dicken Arm, welcher scheinbar Mutationen inform von Schuppen und Stacheln aufwies.



"Der Dschungel Tyconterogas", begann er und schaute nachdenklich in die Luft, als zitiere er einen Text, "voll reichem Wasser und klaren Strömen. Nichts, dass der Reinheit und Schönheit sein Atem zuwider halten konnt'." Ich schritt an das Geländer und legte meine Hände darauf. Er hielt das Siegel nun mit beiden Händen vor seinen Körper und wirkte gar traurig. "Jedoch traf auch hier Krieg zweier dummer egoistischer Reiche ein und zerstörte all' das, was die Helden mit ihren heiligen Waffen zu retten vermochten."

Sein Blick wendete sich mir zu und er lächelte. "Dein Weg ist nicht vorherbestimmt. Du weißt nicht was du tun sollst und ob richtig ist, was du tust, wenn du dich entschieden hast."

Ich fühlte mich ertappt. "Kannst du es mir sagen?", sagte ich leise. Eine Eiswolke verließ meine Lippen. Er trat an die Engelsstatue und setzte das Windsiegel Tyconterogas ein. Währenddessen sprach er: "Du hast ein Problem damit die Opfer hinzunehmen, die du auf deinem Weg zu ihrem Schöpfer schickst. Du denkst es gäbe ein 'Gut' und ein 'Böse' und weißt nicht auf welcher Seite du stehst, weil deine Fähigkeiten die, der dunklen Seite sind." Er grinste, als wäre das nur eine kindische Frage, auf deren Antwort jeder käme.

"Jeder bestimmt sein eigenes Handeln.", führte er wieder ernst fort und sah zu mir hoch. "So wie der Tod sich nicht auswählt, wen du ihm in die Arme schickst, so kannst du nicht überblickend sagen was 'Gut' und 'Schlecht' ist, 'Richtig'-'Falsch', 'Altbacken' und 'Weltfremd'."

Ich sah den Sinn in seinen Worten, denn mir selbst habe ich dies nie geglaubt. "Und bevor du weiterfragst: Der West- sowie Ostherrscher Iberias ist meiner Meinung nach gleichermaßen bescheuert." Er zwinkerte und sah hinter mir aus dem Fenster.

Der Wind schien stärker zu werden und sang eine Art Melodie! Sie hörte sich traurig und lang an, aber war auch kurz darauf wieder vorbei. Mein Blick ging wieder aus dem großen Fenster an die offene Decke der Stadt. Das Eis wuchs - wohl durch den Wind gestärkt - zur Mitte zu und überdeckte die gesamte Stadt mit einem großen Schatten. Die roten strahlenden Augen des Schädels, hinter dem ich stand, strahlten auf den Boden des Kirchenschiffs.

"Es gibt kein Gut und Böse, kleine Schattenanwärterin. Nur Entscheidungen und Konseqenzen." Er nickte und wurde durch die Dunkelheit, die sich nun auch in die Kathedrale erstreckte, immer unsichtbarer. "Wenigstens hast du diese Lektion nun gelernt. Jene, die vor kurzem hier waren - nicht."

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Das Blut der Bauernopfer

Das Kräuselsymbol des Tyconterogasiegels tauchte als Bodenplatte unter den Lichtstrahlen auf. Noch immer am Geländer vor dem großen Fenster stehend vernahm ich das Klicken und Einrasten von Zahnrädern, die nun teilweise aus den Wänden ragten, doch hauptsächlich hinter den Eisschichten stecken mussten. Gleichsam drehte die Bodenplatte sich nun langsam aus dem Boden empor.

Mit einem Stiefel stieg ich auf das Geländer und stieß mich auf die steigende Bodenplatte ab. Ich blieb vorerst in der Hocke, weil die Rutschgefahr sehr hoch war und ich vielleicht sonst nicht mehr hinauf gekommen wäre. Was wohl meine Freunde gerade taten?

Die Platte endete in einem höher gelegenen Raum, aus dem es kein Zurück mehr gab, denn er bestand allein aus einer Wendeltreppe aus Eis, an deren ersten Stufen ich nun stand. Die Bodenplatte dagegen hatte das Loch, durch das ich kam, passend blockiert. Die mittlere Säule, an der die Treppe sich spiralförmig nach oben zog, war verziert mit Ranken aus Eis. Jedoch bewirkte diese ganze Treppe eine beklemmende Enge auf mich. Keine Fluchtwege, kein Rückweg - Nur der Weg nach oben.

Dreimal atmete ich noch durch. Dann betrat ich den einzigen Weg meines Schicksals.

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Fast hatte ich den Eindruck, dieser Weg würde niemals enden. Ich hätte nun einen großen Schritt durch den Gletscher gemacht. Meine Siegel bestrahlten die Wände, aus dem einfach verwobenen Leinensäckchen, doch vom Geräuschpegel her, signalisierte mir der tobende Sturm, dass ich wohl bald wieder den Himmel sehen würde. Oder nur eine windschnittige Höhle gefunden hätte.

Grauer Himmel und übermäßige Dunkelheit erstreckten sich beim Herausklettern über mir. Es schneite und der Wind nahm mir viel Luft zum Atmen. Große, von Lücken getrennte Steinplatten waren inform eines Steinkreises um mich aufgestellt. Auch an ihnen prangten Runen, die in schrägen Zeilen angeordnet waren. In der Mitte des Ganzen stand ich - vollkommen gebannt von einem viel gigantischerem Anblick.

Ein Gebäude, welches wie eine Halbkugel auf der Mitte des leicht nach oben gewölbten großen Eisfelds zu sehen war. Es stellte das Dach der prächtigen Eisstadt dar. Viele Meilen unter mir musste die unpassierbare Kathedrale sein, welche bereits über der Stadt lag. Und dennoch war aus dem Fenster nur die monströs große Esse zu sehen. Nun sollte ich die Schattenschmiede vor meinen Augen bewundern dürfen und feststellen, dass die Esse sogar bis in den Himmel ragte und dieser gesamte Gletscher bereits nicht mehr das Machwerk eines sterblichen Volkes sein konnte.

"Na endlich!", schrie mir eine unbekannte Stimme durch die tobende Natur zu. Sechs Gestalten traten im dichten Sturm hinter einer der Steinplatten hervor. Ihre Kleidung war nass und weiß vom Schnee. Ich ballte die Fäuste und trat einen Schritt zurück. Meine Stirn verzog sich, denn ich erkannte durchaus bekannte Gesichter.

"Wir konnten unsere Flugmaschine leider nicht mehr schnell genug verstecken, als einer von uns Euer Schiff erspähte." Ein hagerer Mann mit einem schwarzen Pelz und langen grauen Haaren trat neben den Redner, welcher eindeutig den Eindruck eines Schattenläufers machte. Er flüsterte dem Anführer etwas ins Ohr, woraufhin dieser wieder das Wort fortführte. "Sehr schön, Eure Freunde haben allen Gefahren getrotzt und sind mit den Zutaten bis ins Herz der Stadt vorgedrungen. Nun müssen wir darauf bestehen, Eure restlichen beiden Siegel und natürlich die Chaosklaue einzufordern." Trotz seines höflichen Tons, welcher durch den Sturm etwas unterging, passte mir das Grinsen am Ende seines letzten Satzes nicht. Abermals flüsterte der Mann, welcher wohl ein Magier sein musste, ihm etwas ins Ohr. Dieser nickte nur. Ich blickte die Personen an - kein Schütze, ein Magier, sonst Nahkämpfer.

"Veränderung der Umstände. Ich fürchte, wir werden Euch durch die letzten Gefahren oder möglichen Fallen bis zum Ofen vorschicken mü..." Ich griff zum Gürtel.
"Hier habt Ihr, was Ihr verdient...", hauchte ich schwach und warf den Beutel zu dem Magier, welcher nun gewungen war diesen zu fangen.

Alle Blicke richteten sich im Bruchteil einer Sekunde auf den Beutel in der Luft. Ich ging in die Knie, griff entlang an meinem Stiefel nach etwas, der Magier öffnete die Hände, der Schattenläufer sank als einziger mit dem Gesicht wieder in meine Richtung und schaute meinen ausholenden Arm ungläubig an. Bevor der Beutel aufkam, riss ich meine Hand nach vorn und schenkte der entgeisterten Gruppe nur noch einen böse lächelnden Blick. Immerhin war der Dolchwurf tödlich für den Magier und das Problem des einzigen Fernkämpfers vorerst beseitigt.

Sie blieben auf der Stelle, während ich auf die spinnennetzförmige Eisfläche zurannte. "SCHNEE!! Hier ist nur Schnee drin!!", schrie es entsetzt hinter mir. Gegner, die sich in ihren Worten verloren, würden immer meine liebsten Täuschungsopfer bleiben.



Bevor ich den Rand betreten konnte, kreischte plötzlich ein scharfer Ton durch meinen Kopf. Ich blieb sofort stehen, denn mein Gefühl sagte mir, dass ich kurz davor war eine große Dummheit zu begehen. "Warum nachlaufen? - Ihr seid völlig allein!", hörte sich die Stimme wieder ruhiger an. Ich kehrte und trat drei Schritte zu ihnen. Der Wind bließ meinen Umhang nach vorn. Vereinzelte Haarsträhnen machten sich selbstständig. "Ja."

Mittlerweile hatten sie, mit Ausnahme des Anführers, ihre Waffen in Angriffshaltung vor sich gerichtet. Ich schritt wieder in den Steinkreis. "Wir brauchen Euch und eure Freunde nicht, nur die Siegel, und die müsst Ihr uns wohl durch unsere zahlenmäßige Überlegenheit hergeben." Ich lächelte kurz und zog meine Schwerter. "Scheint so."

"Und dennoch wollt Ihr den Heldentod sterben?", sein verwunderter Blick wies auf meine verfluchten Schwerter, deren leichte Färbungen auf den Klingen nah an meiner Hand waren. Sie riefen nach meiner Seele oder wenigstens dem Blut kommender Opfer, und wenn ich mich selbst schneiden musste, damit ihr Durst gestillt werde.

"Nein", sagte ich gefasst, meine Schwerter leise durch den Wind singen hörend. "Dass meine Begleiter nicht bei mir sind, heißt nicht, dass ich sie nicht hinter mir stehen habe. Ihr habt mich meiner Siegel beraubt. Und anstatt Euren Freund einzuweihen, dass sein Besuch auf unserem Schiff seinen Tod bedeuten wird - habt Ihr ihm sogar die erstohlenen Siegel zugesteckt, damit ich Euch den Weg freiräume... Wie kann man nur so monströs sein?" Die Begleiter des noch recht jungen Schattenläufers wanden sich ihm zu, da sie selbst scheinbar keine Ahnung von diesem Plan hatten. Doch dieser hob nur eine Braue und verschränkte die Arme.

"Ich nutze jedes mir verfügbare Mittel um das Recht meines Volkes einzufordern. Dafür habe ich die Schattengabe geerbt! Oder habt Ihr in der Siegelgeschichte nicht das fehlende Detail entdeckt?" Plötzlich wirkte er äußerst zornig und ging langsam durch seine Begleitergruppe rückwärts hindurch. "Ganz Iberia erfreut sich ja bekanntlich seiner von den Göttern verhätchelten Helden und hetzt seine Gruppen gegeneinander auf... Doch welche Rolle spielte das stolze Gor seither?! Wir spielten die Packesel für Valorian! Unsere Urväter unterjochten gemeinsam mit ihnen Derion und wurden danach von Valorian abserviert und hinter metallenen Toren aus Zentraliberia verbannt!" Langsam begriff ich, auf welches Ende seine Geschichte zuging. "Im Stolz verletzt schloss sich mein Volk dem geschwächten Derion an und wir rächten uns an Valorian - Und wofür? Um von jenen genauso abgedrängt und mit giftigen Sümpfen und unfruchtbarem Land abgespeist zu werden." Er schnaufte, da seine Worte ihn sehr anstrengen mussten. Über meinen Kopf hinweg fiel sein Blick auf den prächtigen Schmiedeofen, doch seine Miene änderte sich keineswegs. "Und zum Lohn dafür, dass wir eure Sprache erlernt haben, in eure Politik einstiegen, euch mit Rohstoffen versorgt haben und für euch sogar den Tod eingingen, gibt es nicht ein Wort über Gor in den Geschichtsbüchern, geschweige denn den Göttlichen Kriegen! Sind wir denn Gottlos, dass wir keine dieser prächtigen Waffen und Schilde von unseren Göttern geschenkt bekamen?! ... TÖTET SIE! NEHMT IHR DIE SACHEN AB!", kreischte er plötzlich in seiner Wut.

Außer ihm, rannten die Gestalten nun auf mich zu. Mein Herz schlug mir bis an den Hals und ich hatte Angst vor meinen lüsternen Schwertern. Der Sturm hörte plötzlich auf zu toben, mein Sichtfeld war stark eingeschränkt und reichte kaum mehr um meine Gegner zu überblicken. Auch merkte ich nichts mehr von der Schwere des Schnees an meinen Füßen. Scheinbar war ich vollkommen überreizt und mein 6.Sinn entfaltete sich.

Der erste Schwerthieb rührte von oben, ich parierte und wog, aus den Gedanken gerissen, etwas nach hinten. Ein weiterer Schlag erfolgte, der zweite Kämpfer sprang zur Stelle und hieb auf mich ein. Mit beiden Schwertern blockierte ich auch diesen tödlichen Schlag. Noch unfähig selbst anzugreifen, sah ich bereits die nächsten herbei eilen - Ich würde die Gegnermenge so kältegeschwächt niemals überleben, wenn ich nicht endlich angriff.

Die nächsten Schläge erfolgten je stechend von vorn und schlagend von der Seite. Dies war meine Chance. Ich nahm die gleich aufkommenden Angriffe überkreuz - das Metall schellte wie aus weiter Ferne, durch mein eingeschränktes Gehör - und zog die Hände der Männer voller Kraft und mit gefletschten Zähnen zusammen. Beide riefen Schmerzschreie aus. Rasch riss ich meine Schwerter zurück und schnitt sie somit schwer. Blut beseelte den Schnee und ich sah nicht nur Waffen fallen. "Idioten! Nicht der Reihe nach! Auf sie - ALLE!!"

Einer der Entwaffneten fiel rückwärts in den Schnee. Dem Zweiten verpasste ich einen scharfen Querhieb über die Brust und sah ihn zusammensacken. Der Zweite im Schnee rührte sich kaum noch und blutete, doch die Nächsten wagten sich bereits vor. Ich warf einen Blick hinter mich, denn die Luft wurde mir unter den Bedingungen bereits knapp und Schweiß perlte wie eiskalte Regentropfen auf der Stirn. Wenn ich meine Schmerzen kaum spürte, durfte ich auf keinen Fall meine Grenzen überschreiten. Ich entschied mich für die vorzeitige Flucht und erkannte mit dem Wenden zur Eisfläche plötzlich den Unterschied des sicheren festen Eises und den brüchigen Eisstellen.

Ohne zu zögern riss ich mich von der Position und betrat endlich das Eis. Das sichere Eis war in etwa angeordnet, wie ein weiteres weitmaschiges Netz über dem ganzen System. Etwas entfernt, neben mir, sah ich den Gor'ler auf der Eisfläche rennen und gelegentlich über die lückenhaften Stellen springen - An den Armen zwei sichelförmige Klingen.

Mein Gespür verriet mir, dass nah hinter mir jemand sein musste und auch schwer atmete. Ohne mich groß umzusehen, schwang ich mich mit den Schwertern im Kreis, wobei der Fellbeschichtete Mann leicht zurückwich. Er gönnte mir keine lange Bedenkzeit und sprang sofort mit einem gezielten Axthieb von oben herab, zu mir. Hinter ihm vernahm ich den vorerst letzten Begleiter sich vorsichtig über die Fläche tasten. Ich wich zur Seite und stach zu, um nur sein Becken zu treffen. Er drehte sich kaum berührt und hieb auf meinen Kopf, welchen ich knapp abduckte. Wie im rasanten Tanz stellte ich einen Fuß knapp hinten den anderen, als er in einem Rundumhieb die Luft schnitt. Noch einmal schlug er hart aber daneben auf das Eis, welches leicht splitterte. Ein weiteres Mal schwang er die Axt in Halshöhe, doch diesmal rutschte ich auf dem Boden an ihn heran und nutzte endlich die freie Fläche, die er mir somit bot. Ich ließ mein Schwert nach oben kreischen.



Der Kämpfer sank tödlich verwundet an mir herab und rempelte mich etwas nach hinten, wovon sich eins meiner verstauten Siegel löste und ein Stück auf die Fläche rollte. In gebeugter Haltung beobachtete ich es angespannt, genauso wie der Gor'ler Schattenläufer, der plötzlich stehen geblieben ist um den Stein zwischen uns beiden stoppen zu sehen. Den Sturz in die Stadt unter uns würde keiner überleben.

Auch der letzte Krieger hatte das Siegel nach seinem langsamen Herantasten entdeckt und starrte es auf eindeutige Weise an. Nur der Gor'ler und ich wussten, warum wir uns nicht bewegten - Der Krieger rannte los. "NICHT!!", schrien wir gleichzeitig dem Unglücklichen zu und bewegten uns zwangsläufig auch zur unsicheren Eisfläche.

Er ließ sein Schwert neben sich fallen und sprang mit offener Hand nach vorn. So schnell es möglich war schlitterten wir drei dem Siegel entgegen, doch kam der letzte Kämpfer als erstes auf und bestätigte unser Wissen durch das grässliche Knacken der Fläche. "Ha...!", rief er beim Absinken und bekam gleichzeitig das Adirsiegel zu greifen. Der Boden war weg gebrochen und nur mein schattenhafter Verwandter schaffte es mit einem beherzten Sprung das von dem Einstürzende vor Panik hochgestreckte Handgelenk zu packen, weswegen auch er noch ein gutes Stück mitgerissen wurde, aber mit einer Unterarmklinge am Boden ankerte. Ein Schmerzruf verließ seine Lippen und er zog die Klinge aus dem Eis um die Hand zu dem Mann zu strecken. "Das Siegel... gib es hoch... gib es hoch!" Der fast Gefallene wies Schürfwunden an der Wange auf und Blickte voller Angst nach oben, ich kniete nur an dem Loch und konnte nichts tun, da ich an der knappen Kante kein Balancegefühl hätte. Er tat wie sein Herr wollte und streckte den Arm mit dem Siegel nach oben.

Der Retter nahm es hastig an und legte es hinter sich. Nur wenige Blicke tauschten sich die beiden aus, und der Untere wusste, was sein Gebieter vorhatte. Er löste den Griff und ließ seinen Begleiter in die Tiefen der Stadt fallen. Meine Augen waren völlig starr von der Szene, doch sollte ich nicht lange nachdenken können, bis ich selbst überrascht werden sollte.

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Das letzte Siegel

Er schlug mit den Kanten seiner Unterarmklingen zu und mein überkreuzter Konter war in aller letzter Sekunde. Doch hakte er meine Waffen ein und riss diese mit mir über das Loch, in das ich stürzen sollte. Meine Waffen musste ich loslassen, damit ich freie Hände hätte - sie sanken klingend in die Dunkelheit der Stadt. Mit der nun freien Hand packte ich ihn krampfhaft an seinem Kragen, wobei er abermals mit einer Klinge am Boden ankern musste und in die Hocke ging. Die zweite Waffe hielt er mir instinktief an die Kehle, reichte jedoch nicht ganz für den tödlichen Schnitt heran. Sein Gesicht wurde immer röter. Sich bewusst, dass er mir nur in den Arm schneiden musste, schnellte er mit der Klinge zurück.

Und keine Sekunde zu früh gelang es mir, mich hinterher zu schwingen und die endlich aus dem Kästchen bekommene Chaosklaue in seine Brust zu rammen. Sein Gesichtsausdruck hatte eine Mischung aus Überraschung und Verzweiflung.

Sehr unbeholfen, da ohne Gespür, hangelte ich mich an ihm vorbei auf den sicheren Boden und keuschte noch immer möglichst niedrig und kauernd. Langsam kehrten auch meine vollständigen 5 Sinne wieder zurück und zu diesen gehörten auch bittere Schmerzen.

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Das Schwarz des Himmels und das Weiß des Sturms setzte Kräfte frei, die mein Durchhaltevermögen auf eine harte Probe stellten. Doch ich war wieder allein und hatte die Zeit die ich brauchte, während meine Freunde in der Metropole am göttlichen Schmiedeofen standen. Meine unheiligen Schwerter waren nun für immer weg.

Auf der Eiskuppen näherte ich mich nur langsam dem steinernen Ofen. Meine Sinne verrieten mir den Weg, doch fühlte ich mich blind und leer. Wieder mussten Menschen für mein Ziel sterben, einer davon aus purem Fanatismus zu seinem Reich. Sollte ich eines Tages auch so enden? Mit den heiligen Klauen und irgendwo im Nirgendwo?

Das letzte Stück war fast geschafft. Der Ofen stand auf einer Insel aus Schnee und Eis. Hätte ich nicht gewusst, dass er weit in den Boden, in die Stadt führte, wäre ich schon von dem Anblick überwältigt gewesen, der sich bis in den düsteren Himmel empor zog.

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Goldenes Ardir
„Abenteurer und Handwerker begaben sich her,
Um Edelsteine und Gladiatoren zu ereilen.
Doch als auch die Könige um des Reichtums Begehr,
Sich trafen um Ardir entgültig zu zerteilen.
Der Tod als letzter Gast den Genuss verspürte,
Im Lande Ardirs zu verweilen.“


Wahrer der Schatten: Bring Ardirs
Erbe her und berichte über das Heute!

Eine goldene Plattform war in den Ofen eingearbeitet. Auf ihr standen die Worte in fein gravierter Schrift. Und alles deutete darauf hin, dass die Edelsteinminen und Gräben in Ardir eine erfolgreiche Arbeitsbasis für Entdecker und Forscher war. Doch die Gier der Reiche zog wiedermal dunkle kalte Schatten über das Gebiet und machten es zu einem zerstörten und toten Kriegsgebiet. Einige Skelette sollten noch heute an den Mineneingängen liegen und Zeuge der schrecklichen Angriffe sein. Niemand hat aus diesen Kämpfen heraus etwas gewonnen. Und dass das Land noch heute umkämpft wurde, sollte mir die Schamesröte ins Gesicht treiben, dass ich auch noch für eines dieser Länder einstand. Doch so wie der Osten, tat auch der Westen keine Produktivität zur Sache hinzu.

Ohne weiter darüber nachzudenken, stieß ich endlich das Ardirsiegel in die Aushöhlung und verdrängte die Missstände der Reiche. Das Gold der Platte blendete mich und ließ mich einen Schritt zurückweichen. Doch ich irrte mich. Denn der Schein drang nicht mehr allein aus der Platte, sondern zog sich über den gesamten Schnee und über die riesige Eiskuppen hinweg. Alles leuchtete und schien aus purem Gold. Immer greller wurde es um mich herum und ich hielt mir den Arm nun schützend vor die Augen, um nicht zu erblinden. Eis knackte und splitterte wie winzige Glasscherben. Der Boden tat sich um meine sichere Insel auf und ich schien auf ewig in diesem Gefängnis fest zu sitzen.

~~~~~~~~~~~~~~~

Alpträume sitzen hinter Eis - Hoffnung hinter Flammen

Keine Winde mehr. Kein Sturm. Kein Schmerz. Ich öffnete die Augen und nahm den Arm von meinem Gesicht.

Unmöglich!

Alles war so grell, so surreal. Ich fand mich in einem wundervollen Garten wieder. Vor mir ragte der prächtige Schmiedeofen in den Himmel, auch die goldene Tafel und mein Ardirsiegel waren zu sehen. Doch um mich herum schien der Boden aus Steinplatten. Säulen mit dicht wucherndem Efeu und sanften Blüten zeigte mir diese Traumwelt. Verlor ich den Verstand oder war dies eine weitere Prüfung, in der ich mein letztes Siegel - das Gebrasiegel - zum Einsatz bringen sollte?

Etwas entfernt, hinter einer kniehohen Mauer stand ein kleiner Brunnen. Ich bewegte mich zu ihm und kostete das klar perlende Wasser. Ich musste wissen, ob nichtmal mein sechster Sinn gegen eine Täuschung stark genug war und ich das Wasser sogar schmecken konnte. Ich fühlte es in den Händen und auch in der Kehle. Mit einem Blick zu dem riesigen Ofen musste ich verdutzt nach oben sehen. Endete er hier etwa? Ich sah das Ende der Esse vor mir!

An der Rückseite des Ofens erblickte ich eine breite metallene Klappe mit einem Griff, über den schwarze, massive Handschuhe hingen. Wie geleitete zog ich sie mir hastig an und schob die Klappe mit aller Kraft nach oben. Eine rot glühende Metallplatte mit der Einbuchtung für meine Stich-Klaue war zu sehen. Dies alles wirkte so perfekt. Ich stand tatsächlich vor dem letzten Schritt!

Vor meinen Augen nahm ich die sengende Hitze verschwommen wahr. Ein letztes Mal sah ich mich in dem wundervollen Garten um, während mir die Wärme durchs Gesicht zog. Ich glaubte dies nicht - Es war einfach zu perfekt. Und ich spürte Ihn in meiner Nähe.

~~~~~~~~~~~~~~~

Ein weiterer Blick hinter mir offenbarte es. Eine Falle.

Ich wand mich gefasst um, ohne meinen Blick von ihm zu wenden. Der Kerl mit dem abnormal mutierten Arm stand lächelnd etwas entfernt auf einer kleinen Schneewehe. Die Kälte war zurück, doch war ich zu meiner eigenen Überraschung absolut gefasst darauf, dass meine Umgebung wieder die Alte war - Wenngleich die Kuppel auch mit Ausnahme meiner kleinen Schneeinsel komplett zerbrochen und in die Stadt gestürzt sein muss.

"Keine Gier. Keine typisch menschlichen Züge? Was bisn du für eine Schattenlady?", rief mir der Mann stirnrunzelnd zu. "Das Gold hätte gewöhnliche Räuber vor Habgier erblinden lassen und die Trugwelt war gedacht, um Idioten die sich am Ziel wähnten ihres wichtigsten Gegenstandes zu berauben."

Ich lächelte grimmig über das Kompliment, sollte ich doch eigentlich gar nicht hinter die Falle kommen. "Wie geht es weiter, Vitesse?", sagte ich gefasst. "Oho! Sehr schmeichelhaft, Miss. Aber ich bin nicht der Wahrer der Schattenklauen! Nur ein einfacher Diener der Schatten - Ein Todesengel, wenn du so willst." Er grinste schelmisch und ich erwiderte es mit einem Lächeln. "Dann belohne meine Sinne, indem du verrätst was ich nun tun muss."

Er schien kurz zu überlegen und schüttelte dann leicht den Kopf. "Jeder ist seines Glückes Schmied. So langsam solltest du das begreifen! Die Kinder der Nacht - Schattenläufer, von Unwissenden so benannt - sind frei in ihren Entscheidungen. Du tätest besser daran, wenn du aufhörst dich um deine Freunde zu scheren. Im Leben gilt ohnehin: Alpträume sitzen hinter den Eiswänden unserer starren Seele und Hoffnung hinter den Flammen des Kampfes!"

Mein Blick verriet ihm, dass mir dieser Rat ärgerlich aufs Gemüt drückte. "Eher sterbe ich mit ihnen!", antwortete ich, und er entgegnete sofort und beinahe gefasst auf meine Antwort: "Na Schön. Doch es wird der Tag kommen, an dem du entweder siehst, wie der Sand durch deine Finger rinnt, oder du niemanden verlieren kannst, weil du niemanden an deiner Seite hast. Such dir die bessere Alternative heraus und sorge vor! - Vitesse war stets allein und wechselte seine Partner viele male. Und umso öfter ihm seine geliebten Freunde starben, umso mehr wechselte er die Gesellschaften."

Ich war bereit für die Klauen und ich wöllte sie nach meinem Ermessen führen. Denn nun wusste ich was die richtige Entscheidung war. Nun wusste ich, dass meine Freunde mich in der Eisstadt brauchten. Und nun wusste ich was meine letzte Prüfung war! - Ich zog meine letzte verbliebene Waffe: Die Stich-Klaue.

"Endlich hast du's verstanden, Sarah."

~~~~~~~~~~~~~~~

Schatten in der Dunkelheit


Flameheart

"Folge mir und spüre endlose Finsternis!"


Sein mutierter Arm wies in meine Richtung und schwarzer Rauch spannte sich wie ein Netz über mir aus. Langsam wurde es dunkel doch mein Blick war auf den letzten Sinn geschärft und musste in der Dunkelheit glühen, wie die Abendröte vor dem Untergehen der Sonne.

Blind schritt ich seitwärts und in gekauerter Haltung. Meine Stich-Klaue klammerte an meiner Hand und ich tat es ebenso an ihr. Stets war er hinter mir, denn ich fühlte seinen Atem, seine Blicke, seine Kälte im Nacken. Nichts das ich werfen konnte. Nur meine Nahkampffähigkeiten konnten mich hier heraus retten.

Er bewegte sich so leise und wissend wie der Schnitter. Ich wand mich im Halbkreis um, stach in die Leere. Er sprang merklich zurück. Sofort hieb ich nach, warf mich nach vorn und bekam es gleichfalls mit einem scharfen Hieb am Arm gestraft, der mich durch die Stacheln schwer traf. Ich war zu voreilig.

Seine Pranke fuhr aus und ich rollte nach rechts ab. Endlich hatte ich ihn! Mit einem Stich gegen seine Beine spürte ich wie ich in weiches Fleisch fuhr. "Aahhh...!"

Ohne es erwartet zu haben, hieb ein Peitschenähnlicher Gegenstand in mein Gesicht und warf mich zurück. Mein Gesicht schmerzte, als hätte man mir Säure hinein gekippt. Er setzte nun mit der Peitsche nach und ich hielt meinen Arm zornig gegen die Waffe, welche sich um diesen wickelte. Kurz darauf zog ich mich an ihn heran und senkte die Chaosklaue kräftig in seinen Oberkörper. Sein Schrei hallte wie aus 1.000 Mündern um mich herum wider. Doch dann flüsterte er nah in mein Ohr. "Du bist ihr würdig. Lass dich von deinem Herzen führen und bring sie zurück, wenn du deine Ziele erreicht hast."

Kurz darauf hörte ich einen Körper in Schnee fallen und wurde von der Dunkelheit übermannt. Alle Schmerzen ließen nach.

~~~~~~~~~~~~~~~

Die Klauen des Urteils

"Laaangweilig", murrte Lunar vor sich her.
"Herr Nachtmond! Jetzt nerven Sie uns doch nicht den ganzen..."
"Stimme Herrn Nachtwind da vollkommen zu. Wetter scheint umzuschlagen, bin bei so Sachen immer voll im Bilde.", fuhr Kapitän Indrak Naria ins Wort.
"NachtMOND!"

Ich drehte mich um. Mein Blick wurde wieder etwas heller und ich erkannte aus den Umrissen heraus langsam wieder Formen und Farben meiner Begleiter. Ich stand in der verdunkelten Eisstadt vor dem Ofen auf einem großen gepflasterten Marktplatz, die Stichklaue lag noch vor mir auf dem Boden.

"Sarah! Wie konntest du dich unsichtbar an uns vorbeischleichen?", rief Kelindria überrascht aus der Menge der schwatzenden Gruppe. Alle sahen zu mir und schienen eine Antwort zu erwarten. "Ähm... Ich." Das Hackenschlagen das Kapitäns unterbrach mich. "Berichterstattung an Fräulein Marchioness erfolgt!", rief er wie ein Roboter. Alle starrten ihn an, bis Naria wieder einen spitzen Kommentar verlieren wollte. "Also manchmal glaube ich bei Ihnen ist ein Schalter kaputt..."

"Die Zutaten liegen in der Steinschale am Ofen. Haben uns erfolgreich gegen Eisdämonen und sonstiges Getier zur Wehr setzen können und das Schiff derweil hinter der letzten Häuserwand geankert. Erkennt Fräulein Marchioness an der Derionischen Flagge."

Ich folgte seinem Finger und sah das erste Mal die Stadt aus ihrem Herzen heraus. Wunderschöne Wasserstraßen und Eisbahnen zogen sich an verschieden hohen Eckgebäuden vorbei. Riesige Eissäulen mit Geländerlosen Treppen standen wie Straußenbeine über der Stadt. Selbst an den Innenwänden hingen Behausungen. Dass diese Stadt unbewohnt war, erschien mir aus einem rätselhaften Grund sehr schade.

Mein Blick fiel auf die Stichklauen auf den Pflastersteinen. Kein Blut war zu sehen. Vielleicht habe ich den Alptraum meines Gewissens gar nicht getötet. Erst vor dem Ofen auf der Eiskuppel wurde mir bewusst, dass er mein Herz beeinflussen wollte und ich zu meinem eigenen Gewissen stehen musste. "Als wir in den Tunnel zur Stadt einfuhren, wurde es plötzlich dunkel. Und als wir die Sachen abgeladen haben, wieder hell. Was war das?", riss mich einer der Schützen aus meinen Gedanken. "Über der Stadt hat sich eine Eisschicht zusammengefroren, die ich anschließend mit einem Siegel wieder geschmolzen oder gesplittet habe.", erklärte ich. Ich war froh wieder bei meinen Vertrauten zu sein. "Wenn das Sinn ergibt...", murmelte Kelindria Schultern zuckend, "dann sag uns wie es weiter geht."

Ich näherte mich wieder dem göttlichen Bauwerk und musste nicht lang suchen um zu sehen, was ich sehen wollte. Der Ofen wies das vierte und letzte Siegel auf. Es war das Gebrasiegel und seine Vertiefung war auf einer rot glänzenden Metallplatte verewigt.

-------------
Zeitloses Gebra
„Gebra, so zeitlos und fest in seinem Stand,
Ein Gefängnis, ein Dorf und ein Sägewerk.
Der Drang nach Magie das Dorf ins Chaos band,
So häufte sich ein endloser Berg,
Den Valorians Herrscher zum Fluch befand.“


Wahrer der Schatten: Bring Gebras
Erbe her und berichte über das Heute!

Das einzige Grünland in Gebra war von der Zeit ausgeschlossen und war unverrückbar festgefroren. Das Siegel leuchtete in einem matten Rotton und wurde als letztes in die Metallplatte von mir gedrückt.

Erwartungsvoll warteten wir, was wohl geschehen würde. Doch nichts tat sich. Bis ich Narias exotische Stimme hörte. "Seht!" Alle blickten auf die Esse des Ofens, an der sich nun glühende Buchstaben in Form von Runen entlangwanden, wie eine Schlange es an einem Baum tat. Immer höher Stiegen die leuchtenden Zeichen und verschwanden irgendwann in der Dunkelheit über uns. Wir blickten uns gegenseitig an, doch wurden jäh vom vor Eis knackenden und schwer auftuenden Geräusch der Steinblöcke unterbrochen, die das Öffnen des Ofens ankündigten.

"Da ist ja gar nichts drin!", sagte jemand hinter mir. Erneut strengte ich meine Sinne an und sah vermutlich zum letzten mal einen quadratischen Rahmen aus roten Runen, der den anderen Verborgen war. Ich näherte mich dem Ofen und schob meine Chaosklaue durch die Runen. "Sarah!", rief es hinter mir, aber leider zu spät. Denn der Ofen schloss sich hinter mir und ich war wieder in der Dunkelheit gefangen.

~~~~~~~~~~~~~~~

Mit einem Augenschlag war die vollständige Dunkelheit weg und ich fand mich in einem Meer aus Sternen wieder. Surreale Linien aus der Traumwelt von vorher tränkten das All. Geband schaute ich auf die wandernden Lichter und Abschnitte des eigentümlichen Raumes. Etwas kletterte meine Hände hinauf und ließ meine Arme etwas schwer werden.

Und dann sah ich sie. Die scharfen Klauen aus meinen Träumen. Wundervoll glänzend lagen sie auf meinen Händen, die Griffe schmiegten sich an meine Handinnenflächen und die messerscharfen Klingen, welche die Form von Pranken einer großen Bestie darstellen mussten, klangen leise zur Melodie der Ewigkeit. Dann lösten sie sich in schwarzem Nebel auf und ich wusste, sie waren in meinem Herzen verankert und jederzeit rufbar. Mit einem weiteren Augenschlag stand ich wieder auf der Mitte des Marktplatzes. Zu meinen Füßen eine Windrose, die an allen 4 Ecken je eines der Siegel im Boden stecken hatte. Sobald ich die Klauen benutzt hatte, würde ich sie wieder hier her bringen.

"Da bist du ja wieder! Die Zutaten sind in der Schale verbrannt. So ein Unglück!" Ich ließ leichten Nebel erscheinen. Die Klauen kamen hervor und strahlten noch immer so wunderschön in ihrer Tödlichkeit. Gebannt blickten die anderen sie an und näherten sich mir vorsichtig. "Ganz umsonst waren die Zutaten wohl doch nicht...", grinste ich verschmitzt.

~~~~~~~~~~~~~~~

In den Armen des Ozeans

So treu, wie Lizzy damals dem Ordens-Gründer und seinem besten Freund Arueris war, so sicher brachte uns das Schiff, die Lizzy wieder am Hafen des Hafendorfs in Mosalien an. Kapitän Indrak und seine Besatzung stand dem Orden zukünftig weiterhin zu Diensten und die heiligen Waffen der anderen Gesinnungsklassen waren noch immer irgendwo auf der Welt verteilt und warteten darauf, von den Helden der Neuzeit errungen zu werden - Jedoch mit anderen Prüfungen, als es meine Klauen von mir abverlangten.

Des Abends wurde unsere Rückkehr gefeiert. Der Abend an dem ich das erste Mal erleichtert seufzen konnte, auf meine Getreuen setzen zu können. Ich mag mich täuschen, aber zwischen Naria und dem eigensinnigen Kapitän schien es trotz des Temperaments zu knistern.

"Sarah?", flüsterte Kelindria mir zu. "Hm?"
"Ich habe einige Hinweise auf eine heilige Rute und ihre Herstellung bekommen..." Mit einem Grinsen quittierte ich ihre Bedenken. "Lass uns morgen anfangen die Zutaten zu sammeln."

~Eintrag Ende
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BeitragThema: Re: Auszug aus den Mémoires der M.S.Black   Di Jun 21, 2011 6:44 pm

Auszug aus den Mémoires der
ehemaligen Fürstin Black
Montag, 13.06'11

Der letzte Eintrag


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Kurzer Mémoires-Rückblick: Vor einigen Wochen machte ich mich mithilfe gewonnener Erkenntnisse auf die Suche nach meiner Vergangenheit. Nach einer langen Zeit des verbotenen Trainings bei einem ausgestoßenen Erzmagier Valorians, überreichte er mir ein Buch. Mit jeder gelesenen Seite wurde mir klarer, dass es sich in diesem Buch um mein Leben drehte. Das, an welches ich mich aufgrund einer jahrelangen Amnesie nicht mehr erinnerte.

Also verließ ich den Kontinent Iberia und begann die Suche nach meiner Familie. Außer meiner damaligen Amme war niemand mehr am Leben. Und trotz ihrer Herzlichkeit und Liebe, sollte meine Reise mich erneut in Richtung Iberia führen. Nach wenigen Wochen der Ankunft am Osthafen, ritt ich mit einem Kopf voller Sorgen und einem Herz voller Schwermut in die Richtung der versteckten Ordensfestung...
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Eintrag - Fortführung

Sachte Töne schwangen durch die Ruine der Ordensfestung. Die Finsternis beherrschte das Zusammenspiel von Stille und Musik. Wie in Trance bewegte ich den Geigenbogen über die Saiten und spielte das Lied der tausend Toten. Jene die durch mich den Tod fanden, die ich tötete, die ich geradezu jagte und dies manchmal über Monate hinweg - für diese nun Erlösten spielte ich. Und auch für jene, die es nicht vermochten mich aufzuhalten. Es nutzte mir, mich nicht zu brüsten, sondern im Schatten dem Licht zu dienen. Ich war bis zu meiner Steckbrieflichen Verfolgung ein Phantom. Doch was war nun geschehen?
Vier Tage und drei Nächte ritt ich nach meiner Rückkehr auf Iberia zu unserer Festung. In dieser Nacht ergab sich das Schicksal, dass niemand mehr da sein sollte. Denn die Ordenszitadelle war bis auf große Teile zerstört. Andeutungsweise zogen sich noch Steine zu ehemaligen Räumen zusammen.

Als ich hier ankam fühlte ich etwas Unbekanntes. Ich sah die Festung schon von Weitem als ein Bild des Grauens. Doch die nackten schwarzen Bodenplatten zu betreten erfüllte mein Herz mit Gefühlen der Erkenntnis.
Ich betrat die ehemalige Festhalle des Schlosses. Einst strahlte sie in ihrer vollen Pracht, doch nun bereitete mir der Anblick ein Schauern. Was würde Arueris sagen, wenn er dies sähe?

An ihm hielt vieles fest. Die Glaubenskultur an eine bessere Welt unter dem Zeichen der Rose zog viele in ihren Bann. Die Bekämpfung des Bösen lockte viele an, darunter auch schwarze Schafe, die selber Böses wollten. Doch eines stand fest: Arueris war die größte aller Rosen und verschwand so schnell wie er nach der Entdeckung der verborgenen Ordensfestung aufgetaucht war.

An seinem Schicksal sollte ich nun teilnehmen und getrennt sein, von allen anderen. Ich erblickte ein Banner.
Es lag auf einer zerbrochenen Sitzbank an einer Säule. Das Zeichen der Rose zierte das gute Stück Stoff. Ich nahm das Banner auf und befestigte es mit wenigen Handgriffen an einer Seite meiner Rüstung. Anschließend warf ich es über eine Schulter und trug es als Umhang.

Wie geachtet war dieses Symbol? Wenn man uns auf dem Feld anreiten sah und erlösende Rufe durch die Menge gingen, die in Not steckte. Ehrwürdig und angesehen gehörten wir zu den Mächtigsten, waren Zeitweise sogar das mächtigste aller Bündnisse. Selbst Kinder erkannten die Hoffnung an unserem Erscheinen in der Lage größter Gefahr.
Jahrelang kämpfte ich gegen meine dunkle Seite - eine Existenz namens „Lilith“ - an, bis ich nun endlich begriff, dass sie ein fester Teil von mir war. Wie sehr erregte mich das Blut zahlreicher Gegner, die mich als letztes in ihrem Leben sahen. Blut welches ich im Rausch des Kampfes immer mehr hinnahm und mehren wollte. Es gefiel mir und ich fand immer wieder Anreiz allein, für mich zu kämpfen, um mehr von dieser Gier zu haben. Doch die Erfahrung hat mir mehrmals gezeigt, dass ich meine Verbündeten brauchte und so auch zu ihnen zurück kehrte. Und dies jedes mal gestärkter, als zuvor.
Ich betrat den steinernen Türbogen meines alten Büros. In der Mitte des Raumes stand einsam das letzte Möbelstück, dass in diesem Gemäuer nicht zerstört oder gestohlen war - mein Schreibtisch.

Hier ärgerte ich mich über niveaulose Nachrichten oder plante für die Zukunft des Ordens. Denn umso stärker ich wurde, desto zäher entwickelten sich unsere Gegner, die ich bald nicht mehr hätte alleine besiegen können. Meine drei größten Erzfeinde waren dank meiner Klinge tot. Jedoch war Iberia auch sonst von Flüchen und dunklen Zaubern heimgesucht. So konnten wir nie ein Gebiet vollständig bekehren, trugen aber dazu bei, dass der Frieden weitläufig einkehrte und etwa ruhlose Geister ihre Erlösung in uns fanden.
Der Orden der schwarzen Rose lebte auf und vermochte es jeden Gegner zu besiegen. Irgendwann wurden wir nur noch besser, effizienter und Verluste machten unsere gegenseitgen Heilungen wieder wett. So wie auch meine Freundin Kiwico Tote, die ihre Seele noch nicht verloren hatten und keines natürlichen Todes starben, wieder beleben konnte. Auch sie war weg.
Meine Laufbahn war nicht gesegnet von Sonnenschein. Jeder Schritt war wohlüberlegt und jede größere Strecke hauchte mir wieder genug Unglück ein, um mich doppelt so weit zurück zu werfen. Ich verlor Freunde, an die ich mich viel zu fest klammerte. Es gingen nahe Vertraute aus Iberia und ich stand viel zu oft wieder allein da, wenn ich jemanden gebraucht hätte. Jede Narbe machte mich stärker. Und so glichen sich meine Fähigkeiten denen meiner dunklen zweiten Existenz in meinem Herzen und sogar der Tod höchstselbst war kein Gegner mehr für mich.

Seine eigene stärkste Waffe war gegen ihn gerichtet. Ich. Denn ich war der Tod!

Fast unmerklich flatterte mein neuer Rosenumhang, während ich mich meinem Tisch näherte. Der Putz der offenen Decke lag im Raum verstreut, wenn man dies noch so nennen konnte.

Vermutlich hatten die Valorianer die Idee den Orden anzugreifen, da ich ohnehin abgetaucht und wir geschwächt schienen. Sie wollten das Schloss abbrennen, rechnetten aber nicht mit den Überlegungen der alten Weisen, die diese Festung erbauen ließen.

„Stein brennt schlecht...“, murmelte ich lächelnd.

War es mein sechster Sinn oder eine bloße Intuition, dass ich den Schreibtisch genauer ansehen wollte und etwas Staub abwischte. Aber beim genaueren Betrachten erkannte ich eine wenige Tage alte gepflückte schwarze Rose. Verblüfft nahm ich sie auf und sah nun auch einen Brief, der darunter lag. Jemand schien nach der Flucht zurück gekommen zu sein und eine Nachricht hinterlassen zu haben.





Die Eile könnte Reto nicht abstreiten, dachte ich lächelnd. Alle waren wohlauf und das befreite mich von meinem Grübeln. Also steckte ich Rose und Brief ein und suchte die übrigen Wände ab.

Einige Zeit später fand ich das Diarium. Retolas befasste sich viel mehr mit den Ordensriten und wusste Dank seiner Forschungen auch mehr über das Schloss als ich. Gewiss konnten die Rosen über einen der gut versteckten Geheimgänge entkommen, von denen ich keinen einzigen kannte.

In dem Diarium waren die letzten Tage beschrieben. Die Valorianer hatten sich kurz nach meiner Abreise um das Schloss versammelt und belagerten es. Somit saßen die Schwarzen Rosen in der Falle und die Valorianer wussten tatsächlich schon einige Zeit zuvor, wo wir uns aufhielten.

Retolas beschrieb die letzten Tage als schlaflos und quälend. Die Valos hatten sich von allen Seiten her postiert und warteten mit einer großen Allianz darauf, dass die Rosen sich nicht mehr wehren konnten. Während dessen suchten Reto, Solid und einige ausgewählte Ordensmitglieder verzweifelt nach einem Ausgang an einen sicheren Platz.

Nicht zu früh fanden sie einen.

Und auf der letzten beschriebenen Seite war kein Eintrag, sondern eine mit rot geschriebene Nachricht an mich.

„Suche uns nicht. Wir verlassen diesen Kontinent und werden irgendwo sesshaft. Eine Stadt nach unseren Maßen zu gründen ist besser, als einen immerwährenden Krieg auf den Schultern der Unschuldigen auszutragen. Werde glücklich und bleibe bei Deiner Familie, solltest Du diese gefunden haben. Iberia ist kein Ort mehr für uns. Wir danken Dir für alles und werden Dich niemals vergessen!

In Gedenken an Deine Verbündeten
Dem Orden der schwarzen Rose
Retolas Rethan“


Ich blickte noch kurze Zeit auf diese Zeilen, bis sich die ersten Tränen auf meinem Gesicht wiederfanden. „Ja“, sagte ich laut. „Es wird Zeit, dass neue Generationen an meiner statt für Iberia einstanden. Unsere Aufgabe war getan und wir sind endlich frei für die Welt außerhalb dieser bedrückenden Insel!“

Kurz auf diese Worte erschienen meine heiligen Klauen des Urteils und lösten sich stückweise in viele hell leuchtende Lichter auf, die gen Himmel schwebten. „Endlich habe ich den Sinn dieser Waffen begriffen. Es geht nicht darum, einen immer währenden Krieg zu gewinnen, sondern die Erkenntnis in sich selbst zu tragen, dass keine Schlacht entschieden werden kann, wenn zwei Völker stetig im Streit sind. Man muss auch im Krieg an sich denken und sein eigenes Glück in seinen eigenen Idealen finden und nicht nur in denen des Landes.“

Ich verfolgte den bunten Funkenflug der Klauen und sobald ich die Lichter nicht mehr sah, steckte ich die Geige meines Vaters ein, erklomm mein Pferd und ritt zurück zum Hafen, wo ich herkam.


Ich kehrte mit einem Segelboot zu meiner Amme zurück und hatte vor, bis ans Ende meiner Tage glücklich in dem Dorf bei ihr zu leben. Hier würde meine lange Reise enden und somit auch meine Memoiren, die von viel Krieg, Macht und Blut berichteten. Dieses Leben war nun hinter mir und ich war mir sicher, es würde sich nun komplett zum Gegenteil wenden und mir meinen lang verdienten und ersehnten Frieden bescheren.

Letzter Eintrag der ehemaligen
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Sarah Black, Orden der schwarzen Rose
Iberia/Derion
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BeitragThema: Re: Auszug aus den Mémoires der M.S.Black   Do Jun 23, 2011 12:02 pm

cool Sarah Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus Applaus




und alles erdeglich gute wünscheich ich dier Sonne
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BeitragThema: Re: Auszug aus den Mémoires der M.S.Black   Sa Jun 25, 2011 4:13 pm

Sarah. Erst jetzt, da das Ende naht, hast Du die Dinge erkannt!

Ich wünsche Dir auch alles Gute für Deinen weiteren Werdegang und alles Gute zum Geburtstag! Da hoffe ich, es gibt etwas zu feiern! Applaus
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BeitragThema: Re: Auszug aus den Mémoires der M.S.Black   Sa Jun 25, 2011 6:44 pm

aj84m schrieb:
Sarah. Erst jetzt, da das Ende naht, hast Du die Dinge erkannt!

Ich wünsche Dir auch alles Gute für Deinen weiteren Werdegang und alles Gute zum Geburtstag! Da hoffe ich, es gibt etwas zu feiern! Applaus

Das ist RP und in meinen Skizzen so geplant gewesen Zwinkern Hat außer mit hintergründlichen Daten nichts mit dem Spiel zu tun. Außerdem weiß ich seit einem halben Jahr nicht was ingame vor sich geht.

Aber danke euch. Nun brauche ich nach 3 Jahren wieder eine vollkommen neue Handlung, neue Charaktere und neue Pläne. Vielleicht auch mal eine moderne Story? ^^ Oder ich lass das Schreiben von Geschichten für's erste sein. Mal gucken was meine Inspiration sagt.

Grüßchen
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Auszug aus den Mémoires der M.S.Black

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